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 Betreff des Beitrags: 07. Wie wird aus einem Heumuffel ein Heufresser?
BeitragVerfasst: Freitag 7. November 2008, 15:42 
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Vorab einige Informationen, warum Heu so wichtig für Kaninchen ist:

Die Zähne von Kaninchen wachsen lebenslang nach, d. h. sie müssen ihr Futter zermahlen können, damit die Zähne abgerieben werden. Ansonsten wachsen sie weiter, es können sich Zahnspitzen bilden, die sich in die Zunge oder Backenschleimhaut oder den Kiefer bohren. Dies kann zu Entzündungen, Abszessen usw. führen bzw. die Tiere können nur noch wenig oder gar nicht mehr fressen. Pellets oder sonstiges Trockenfutter fordern das Gebiss nicht, ein Haps und weg sind sie. Außerdem besteht die Gefahr, dass durch das Quetschen des Futters die Zahnwurzeln durch den Kiefer wachsen und/oder sich entzünden. Mit Heu ist gewährleistet, dass die Zähne ständig abgerieben werden und kein unnatürlicher Druck auf den Kiefer besteht, da es ausdauernd gekaut werden muss.

Ausserdem haben Kaninchen eine schwach ausgeprägte Magen-/Darmmuskulatur. Sie müssen viel fressen, damit das Futter durch Nachschub vom Magen in den Darm transportiert und weiterverdaut werden kann. Die im Heu enthaltenen Faserstoffe bewirken einen gleichmässigen Transport durch die einzelnen Darmabschnitte.

Mit dem handelsüblichen Trockenfutter und sogenannten Snacks würden sie nur verfetten und Verdauungsprobleme bekommen, da es zu energiereich und damit kalorienreich ist. Ein Überschuss an Energie wird nicht ausgeschieden, sondern als Fett im Tierkörper eingelagert.

Sie benötigen Futter mit geringem Nährstoffanteil, aber hohem Rohfaseranteil. Heu ist dafür bestens geeignet, da es einen hohen Rohfaser- und geringen Nährstoffanteil enthält.

Heu bindet auch verschluckte Haare beim Fellwechsel.

Heu sollte immer frisch sein. Hochwertiges Heu enthält Gräser und Kräuter. Kräuterreiches Heu unterscheidet sich vom grasreichen Heu durch einen deutlich höheren Eiweissgehalt.

Es darf nicht staubig oder gelblich sein – das ist minderwertiges und altes Heu. Heu muss trocken sein. Feuchtes Heu kann zu schlimmen Magen-/Darmkrankheiten führen. Das Heu muss luftig und trocken gelagert werden, damit sich keine Pilzsporen bilden. Gutes Heu duftet angenehm, schlechtes Heu riecht muffig. Altes Heu im Käfig sollte täglich herausgenommen und durch frisches Heu ersetzt werden.

Weitere Gründe, warum Kaninchen oft nicht genug Heu fressen, sind, dass sie schon von dem anderen Futter satt sind. Deshalb sollte handelsübliches Trockenfutter gar nicht und getreidefreies Trockenfutter nur sehr reduziert (eher als Leckerchen) angeboten werden. Auch andere käufliche "Leckereien/Snacks" (Drops, Knabberstangen etc.) sollten nicht verfüttert werden. Obst generell nur als seltenes Leckerchen.

Noch ein Tipp, wie man das Heu am besten darreicht: Heuraufen können sehr gefährlich sein., da manche Kaninchen sich gern hineinlegen und beim Herausspringen mit den Füssen in der Raufe hängenbleiben können. Heuraufen sollten daher entweder direkt unter dem Deckengitter des Käfigs angebracht oder nach oben hin mit einem Deckel abgedeckt werden (natürlich sollte der Käfig nur als Fütterungsstelle und als Klo angeboten werden, d.h., 24 h am Tag offen stehen). Alternativen sind z.B.: die sogenannte „Heusocke“: Man füllt eine ausrangierte Socke mit einem Loch an der Zehenspitze mit Heu, so dass sich das Kaninchen das Heu herauszupfen kann. Oder eine ausgediente Leinentasche: diese am Gitter/Gehege anbinden, unten ein Loch reinschneiden und dann mit Heu füllen. So können die Kaninchen ihr Heu auch bequem herauszupfen und fressen.

Heu sollte grundsätzlich nicht als Einstreu verwendet werden, da es durch den Urin des Kaninchens verfault und das Kaninchen daran erkranken kann.

Was aber tun, wenn Kaninchen kein Heu fressen will???

Mit manchen meiner Kaninchen hatte ich bisher kein Glück, und es waren alle Heumuffel bzw. sind es durch beginnende Zahnprobleme geworden.

Junior hatte nie Heu gefressen, egal ob ich es ihm in der Raufe oder auf dem Käfigboden angeboten habe. Egal welche Sorte ich ausprobiert habe (diverse kaufbare Marken, vom Bauern usw.), er wollte es nicht. Mäxchen war es nie gewohnt, da er es bei seinen Vorbesitzern nicht bekam. Auch mit Öhmchen kämpfte ich jahrelang darum, dass sie Heu frißt (sie durfte aus gesundheitlichen Gründen nicht ein Krümelchen Standard- und Frischfutter), sie bekam bei den Vorbesitzern auch nie welches, sondern nur Joghurtdrops und Fertigfutter. So läßt sich die Liste meiner Heuverweigerer teilweise endlos fortsetzen.

Nachdem Junior schlußendlich sehr oft magen-/darmkrank war und jeder Tierarzt händeringend meinte, ich müsse ihn auf Heu-Wasser-Diät setzen, habe ich meinen letzten verzweifelten Versuch gestartet.

Ich habe mich in der Küche inmitten meiner Heutüten hingesetzt und all das herausgesucht, von dem ich wusste, dass er es gern frisst (Löwenzahn, Blüten, Kräuter usw.), und damit mehrmals täglich die Futterschüssel gefüllt. Da er sehr ausgehungert war (Pellets und Grünfutter gab es im Zuge der Diät eben nicht), hat er sich auch begeistert darauf gestürzt. Im Lauf der Zeit (im 8-Tages-Rhythmus) habe ich immer mehr vom anderen Heu mit in die Schüssel getan, und auch dieses wurde gefressen.

Nachdem er wieder gesund war, hatte ich beschlossen, dass alle Kaninchen sich umgewöhnen und pro Woche zwei Heutage (kein Trockenfutter!!) einlegen müssen.

Juniors Vorbereitung darauf hat so gut gewirkt, dass er immer der erste war, der sich voller Wonne auf die frischgefüllte Heuraufe gestürzt hat. Ich war so begeistert, dass er sich in seinem Alter noch daran gewöhnt hatte. Die Mädels waren nie ganz so stürmisch, fressen zwar auch nicht üppig viel Heu, aber immerhin regelmässig mehrmals am Tag ein wenig.

Als Mäxchen dann einzog, gab es genau dieselben Probleme und ich habe dann die Junior-Methode ausprobiert. Zum Glück hat es geklappt, obwohl er von Natur aus ein mehr als marodes und schiefes Gebiss hatte.

Ganz wichtig ist es, seine Kaninchen zu beobachten, was sie gerne aus dem Heuangebot herauspicken. Und mit diesen "Leckerlis" dann anfangen und langsam auf die normale Heuration steigern. Pfefferminzheu z.B. wird auch gerne gefressen.

Hier noch ein paar Tipps, wie man Heu schmackhaft machen kann:

Tipp 1 - man nehme eine Honigwasser-Lösung, besprühe Heu damit und lasse es wieder trocknen. Den Honiganteil im Wasser mit der Zeit vermindern, bis gar keiner mehr nötig ist.

Tipp 2 - Heu in einen Beutel füllen und stark duftende Kräuter hinzufügen. Diesen Beutel regelmäßig schütteln und einige Tage liegen lassen. Das Heu nimmt dann den Kräutergeruch und -geschmack an.

Tipp 3 - kaufbare Tipps. Hier im Shop (Kräuter-Kate) haben bei einem meiner jetzigen Kaninchen, durch Zahnerkrankung Heufaul geworden, Deichschaf bzw. Süßgras (getrocknet) sehr gut geholfen. Bzw. kann auch das Timothy-Heu von Just4Bun helfen (war die Erfolgsmethode bei Öhmchen). Da dieses Heu lange wächst und durch die Reifung einen süßlichen Geschmack annimmt, wird es von den Kaninchen (meist) sehr gerne gefressen.

Viel Erfolg!!

© Claudia J.


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