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Vorab einige Grundinformationen zum Thema Kaninchen
Abstammung
Kaninchen gehören zu der Ordnung der Hasentiere (Lagomorpha) und zur Familie der Hasenartigen (Leporidae). Sie gehören also nicht zu den Nagetieren. Im Gegensatz zu Nagetieren besitzen sie im Oberkiefer 4 Schneidezähne (die beiden breiten vorne und direkt dahinter kleine Stiftzähne). Außerdem können sie nicht, wie Nagetiere, ihre Nahrung mit den Vorderpfoten halten.
Unsere Hauskaninchen stammen alle von den Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) ab und sind nicht mit den Hasen verwandt!
Die Kaninchen wurden schon vor Jahrhunderten von ihrer ursprünglichen Heimat, den iberischen Inseln und Nordafrika, nach Europa gebracht.
In Deutschland dienten die ersten Kaninchen schon im 12. Jahrhundert als Fleisch- und Pelzlieferanten. Es gab keine Zucht. Die Wildkaninchen wurden in großen Gehegen gehalten und vermehrt.
Ab dem 16. Jahrhundert wurde dann in verschiedenen Größen und Farben gezüchtet.
Mittlerweile gibt es:
große Rassen (von ca. 5 - 8 kg)
mittlere Rassen (von ca. 3 - 5 kg)
kleine Rassen (von ca. 1,5 - 3 kg) und
Zwergkaninchen (von ca. 0,7 - 1,5 kg)
Zwergkaninchen sind keine eigentliche Rasse, sondern besonders kleingezüchtete Kaninchen in allen Rassefarben (seit neuestem auch sehr kleine Teddy-Widder mit extrem kurzer Schnauze).
Zwergkaninchen werden auf ein besonders niedliches Aussehen hin gezüchtet. D.h. extrem klein, kugelförmiger Kopf, halslos und mit sehr großen Augen.
So soll bei den Zwergkaninchen das niedliche und babyhafte Aussehen erhalten bleiben, da viele Halter auf das Kindchen-Schema anspringen.
So süß diese Zwergkaninchen auch aussehen, diese Art der Züchtung ist prinzipiell abzulehnen und sollte auch nicht mit dem Kauf solcher Tiere unterstützt werden. Durch die runde Kopfform, die Halslosigkeit und die sehr großen Augen werden Zahnfehlstellungen, Atemwegsprobleme und Augenerkrankungen herangezüchtet.
Durch die Halslosigkeit, den kugelförmigen Kopf und die großen Augen sind auch die Atemwege und der Tränen-Nasenkanal verkürzt. D.h., Bakterien und Viren können so schneller die Atemwege und Augen befallen und die Zwergkaninchen schwer krank werden (z.B. massiver Schnupfenbefall bis hin zum Tod und/oder chronische Bindehautentzündung bis zur Erblindung). Auch so passiert es oft, dass die Zwergkaninchen plötzlich sterben, weil sie durch die verkürzten Atemwege in Stresssituationen ersticken.
Lebensweise
Wie oben beschrieben stammen unsere Hauskaninchen von den Wildkaninchen ab.
Wie leben Wildkaninchen?
Wildkaninchen sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere, die bevorzugt in sandigem, hügeligem Gelände mit Gebüschen und lichtem Gehölz, an Waldrändern, Hecken, Dämmen, Böschungen, auch in Gärten und Parkanlagen, leben.
Dort graben sie auch ihre Höhlen. Sie unternehmen im Revier Wanderungen bis zu 3 km.
Sie markieren mit ihren Duftdrüsen und dem Urin das Revier.
Wildkaninchen sind gesellige und soziale Tiere, die in größeren Kolonien (vereinzelt über 100 Kaninchen) leben. In solchen Kolonien gibt es festgelegte Rangordnungen zwischen Rammlern (Männchen) und Häsinnen/Zibben (Weibchen). Das ranghöchste Paar beherrscht die Kolonie. Soziales Zentrum einer solchen Kolonie ist ein größerer Erdbau mit mehreren Röhren.
Sie ernähren sich von Gräsern, Kräutern, Wurzeln, im Winter auch von Rinde.
Das Wildkaninchen hat ein hohes Fortpflanzungspotential. Entsprechend rasch kann es sich vermehren. Beim Weibchen wird der Eisprung während der Paarung ausgelöst. Die Tragezeit dauert ca. 28 - 33 Tage. Direkt nach der Geburt kann das Weibchen wieder belegt (gedeckt) werden. Ein Weibchen kann 7 - 10 mal im Jahr 4 - 7 Junge bekommen. Die Jungtiere werden selbst mit ca. 12 Wochen geschlechtreif.
In unseren Breiten haben Kaninchen viele Feinde, wie Fuchs, Iltis, Habicht, Adler und große Eulen. Aber auch Hermelin, Mauswiesel, Bussard, Milan, Krähen und Hunde.
Daher auch die große Fortpflanzungsrate.
Was bedeutet das für unsere Hauskaninchen?
Da die Lebensweise der Wildkaninchen trotz der jahrhundertelangen Domestikation auch unseren Hauskaninchen erhalten blieb, sollte jeder Heimtierhalter die Lebensweise der Hauskaninchen dem der Wildkaninchen, soweit es geht, anpassen.
Keine Käfighaltung!
Kaninchen sind lauffreudige Tiere die, wie die Wildkaninchen, große Strecken zurücklegen wollen. Das ist in den handelsüblichen Käfigen (auch dem Größten) mit einem Auslauf von 1 - 2 h täglich nicht gegeben. Entweder man hat die Möglichkeit sie in einem großen Außengehege zu halten, oder man teilt bei der Wohnungshaltung einen Teil eines Zimmers ab (pro Kaninchen mindestens 2 - 3 qm) bzw. stellt ihnen ein ganzes Zimmer zur Verfügung.
Niemals einzeln halten!
Auch unsere Hauskaninchen sind, wie Wildkaninchen, gesellige und soziale Tiere, die mindestens einen Artgenossen als Partner benötigen. Kein Mensch und auch kein anderes Tier (z.B. Meerschweinchen) kann einem Kaninchen ein gleichwertiger Partner sein.
Rammler prinzipiell kastrieren!
Hauskaninchen sind, wie Wildkaninchen, vermehrungsfreudige Tiere. Aber, im Gegensatz zu Wildkaninchen, besitzen sie keine natürlichen Feinde. Man hat so in kürzester Zeit massenhaft Nachwuchs
So niedlich kleine Kaninchen auch sind, es ist nicht gewährleistet, dass Abnehmer für die Jungtiere gefunden werden. Es gibt genügend Beispiele, dass anfänglich begeisterte Interessenten wieder abgesprungen sind.
Ein häufiges Argument ist, dass die Kastration von Rammlern unnatürlich sei. Wenn es sich um reine Wildkaninchen in freier Natur handelt, stimmt das natürlich. Aber die Haltung von Kaninchen im Haus oder auch in einem Außengehege ist ein massiver Eingriff in die Natur, so dass dieses Argument keinen Bestand hat.
Die Vorteile einer Kastration:
· der Trieb des Rammlers lässt nach, bzw. hört ganz auf.
· Aggressionen, die durch den starken Geschlechtstrieb auftreten können, hören auf.
· Viele Rammler fangen nach der Geschlechtsreife an in hohem Bogen Urin zu verspritzen. Auch dies wird durch eine Kastration unterbunden.
Heutzutage ist die Kastration eines Rammlers bei einem kaninchenerfahrenen Tierarzt genauso ungefährlich wie für uns Menschen eine Blinddarmoperation.
Keine unnatürlichen Futtermittel verwenden!
Das Verdauungssystem der Hauskaninchen ist genauso aufgebaut wie das der Wildkaninchen (siehe Kapitel Ernährung).
Ausreichend Nagematerialien und Buddelmöglichkeiten anbieten!
Wildkaninchen graben sich Höhlen, verstecken sich dort sofort bei Gefahr und nagen, wenn möglich, an Rinden und Zweigen. Dieser Urtrieb ist auch in unseren Hauskaninchen erhalten geblieben. Deshalb benötigen sie ausreichend Nagematerial, wie Zweige, Rinden, Baumstümpfe usw. Ansonsten werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit Tapeten, Teppiche, Kabel, Möbel usw. annagen. Außerdem sollten sie eine oder mehrere Buddelkisten (im Außengehege graben sie in der Erde) zur Verfügung haben, um ihrem Buddeltrieb nachgehen zu können.
Die natürlichen Wach- und Schlafphasen unterstützen!
Wie Wildkaninchen sind Hauskaninchen dämmerungs- und nachtaktive Tiere, d.h. sie schlafen und ruhen gerne tagsüber. Bitte richten Sie Ihren Alltag dahingehend ein, dass dieser natürliche Lebensrhythmus der Tiere erhalten bleibt.
©Claudia Jacob
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