Kastration eines RammlersWarum überhaupt kastrieren?Obwohl die Gründe für die Kastration eines Rammlers quasi „auf der Hand“ liegen, schrecken einige Kaninchenhalter vor diesem Eingriff zurück. Dabei ermöglicht man einem Rammler gerade durch die Kastration ein Leben im sozialen Verband mit Partnertieren und beugt gleichzeitig „unerwünschtem“ Nachwuchs vor. Im Sinne des Tierschutzes und in Zeiten übervoller Tierheime, die voll sind mit solch fahrlässig entstandenem Nachwuchs ist die Kastration eines Rammlers unabdingbar.
Lässt man einen Rammler nicht kastrieren, so führt die hormonelle Entwicklung des Rammlers zu einer Belastung für das Tier selbst und für weitere Kaninchen in der Gruppe. Oft wird das Argument genannt, man könne einen unkastrierten Rammler mit einer kastrierten Häsin vergesellschaften, da würde dann ja auch „nichts passieren“. Grundsätzlich ist dies in Bezug auf Nachwuchs natürlich richtig, ABER: der Rammler wird die Häsin natürlich durchweg berammeln, was für die Häsin extremen Stress verursacht und keiner artgerechten Tierhaltung entspricht. Daher ist diese Variante keine Option.
Auch wenn ein Rammler andere Rammler als Partner hat, so kommt es mit Eintritt der Geschlechtsreife zu Rangkämpfen unter den Tieren, die sich dann als Rivalen ansehen. Dies Kämpfe enden nicht selten blutig oder sogar mit dem Tod des unterlegenen Rammlers.
Rammler müssen daher in jedem Fall kastriert werden!Wie läuft eine Kastration ab?Kastrationen bei Rammlern gehören heutzutage zu den Routineeingriffen in den Tierarztpraxen. Grundsätzlich birgt die Kastration wie jede andere Operation natürlich ein Narkoserisiko, ist aber dennoch ein vergleichsweise leichter und harmloser Eingriff. Unter Vollnarkose werden dem Rammler beide Hoden entfernt, sodass eine Spermienproduktion nicht mehr möglich ist. Die Tiere sind in der Regel wenige Stunden nach der Operation wieder munter, fit, hoppeln umher und fressen wieder.
Die Kastration muss unbedingt unter Vollnarkose durchgeführt werden. Eine Kastration unter örtlicher Betäubung ist für ein Kaninchen schlichtweg Tierquälerei und birgt ein sehr hohes Verletzungsrisiko für das Tier. Durch plötzliche Abwehrbewegungen des Tieres kann der Operateur mit dem Skalpell abrutschen und das Tier schwer verletzen. Zudem bekommt das Tier bei vollem Bewusstsein den Vorgang der Operation mit, was enormen Stress auslöst. Sollte euch der behandelnde Tierarzt diesen Vorschlag unterbreiten, so wechselt bitte umgehend die Praxis!!!
Bei Tieren, die älter als 12 Wochen sind, muss nach der Kastration eine sechswöchige Kastrationsquarantäne eingehalten werden! Es befinden sich noch funktionsfähige Spermien in den Samenleitern, die auch nach einigen Wochen noch zu einem erfolgreichen Deckakt beitragen können. Immer wieder erleben wir, dass Tierarztpraxen Halter schlichtweg falsch hinsichtlich der Quarantänezeit informieren.
Frühkastration eines RammlersBei Tieren, die noch unter 12 Wochen alt sind, besteht die Möglichkeit, eine so genannte Frühkastration durchzuführen. Hierbei erfolgt die Kastration vor dem Eintritt der Geschlechtsreife und das früh kastrierte Tier kann ohne die Einhaltung einer Kastrationsquarantäne wieder zum Partnertier/zur Gruppe zurück, was natürlich sowohl für das Tier als auch den Halter vorteilhaft ist.
Das Besondere bei der Frühkastration ist, dass die Kastration durchgeführt werden kann ohne, dass die Hoden schon abgestiegen sind. D.h. sie sind noch nicht sichtbar. Sind sie sichtbar, dann kann keine Frühkastration mehr durchgeführt werden.Die Frühkastration gehört hingegen nicht unbedingt zu den Standardoperationen im Kleintierbereich. Viele Tierärzte können / wollen den Eingriff nicht durchnehmen und schicken den Halter wieder nach Hause. Hier lohnt es sich, eine zweite Meinung einzuholen.
Was gibt es vor der Kastration zu beachten?Kaninchen haben einen Stopfmagen und sollten auf keinen Fall vor der OP ausgenüchtert werden, dies würde zu einer fatalen Verdauungsstörung führen! Da die Verdauung während der OP / nach der OP erst wieder anlaufen muss, sollte 24h vor einem operativen Eingriff kein Frischfutter mehr gegeben werden, sondern lediglich Heu, Kräuter, Blätter und Trockengemüse. So wird der Gefahr einer Fehlgärung vorgebeugt.
Was gibt es nach der Kastration zu beachten?Nach der Kastration wird euch das Tier im wachen Zustand übergeben. Bitte niemals ein noch (halb) narkotisiertes Tier mitgeben lassen. Die Risiken bei Eintritt von Komplikationen beim Aufwachen können vom Halter nicht allein bewältigt werden. Ein verantwortungsbewusster Tierarzt wird das Tier nur im wachen Zustand nach Hause entlassen.
Während des Transports und daheim angekommen sollte man das Tier warm halten. Hierfür kann man eine Wärmflasche in Handtücher packen und dem Tier als Unterlage anbieten. Mittlerweile gibt es im Handel eine spezielle „Wärmflaschen“ für Tiere, den so genannten Snuggle Safe (
Snuggle Safe).
Auch der Einsatz einer Rotlichtlampe hat sich als hilfreich erwiesen. Die Lampe aber bitte so stellen, dass die Tiere jederzeit ausweichen können, wenn es ihnen zu warm wird! Werden die Tiere nicht gewärmt, kann es zu Lungen-, sowie Nieren- und Blasenentzündungen kommen.
Nach der OP ist es wichtig, die Tiere 3-5 Tage ohne Einstreu zu halten. So vermeidet man, dass Einstreu eventuell mit der OP-Wunde verklebt und sich entzündet oder piekt. Auch kann man eine eventuell auftretende Blutung schneller erkennen. In dieser Zeit kann man Handtücher, Bettlaken, Küchenpapier oder Fleecedecken als Einstreuersatz nehmen.
Mit diesen Tips helft ihr dem Tier, nach der Operation schneller wieder fit zu werden und sich gut zu erholen.
Wir wünschen gute Besserung!© Claudia Müller