Kaninchen-at-Home

Tipps und Hilfe für Kaninchenfreunde
Leben mit Kaninchen
Aktuelle Zeit: Freitag 10. September 2010, 13:50


Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: 17. Kaninchen und Meerschweinchen
BeitragVerfasst: Mittwoch 14. März 2007, 12:33 
Offline
Admin
Admin
Flotter Feger
Flotter Feger
Benutzeravatar

Stimmung: Fussballfieber
Registriert: Donnerstag 16. März 2006, 11:44
Beiträge: 12885
Wohnort: Balje
Alter: 43
PLZ: 21730
Land: Deutschland
Haltung von einem Kaninchen und einem Meerschweinchen

Immer wieder hört und liest man, dass ein Kaninchen und ein Meerschweinchen zusammen gehalten werden.

Einzelne Tiere werden aus vielen Gründen zusammen gehalten.

Meist, weil in der Zoohandlung ach so fachkundig erzählt wird, dass das die ideale Kombination ist. Die Zusammenhaltung von einem Kaninchen und Meerschweinchen sieht von außen vielleicht wie innige Liebe aus, aber es ist nur eine Zweck- und Notgemeinschaft, weil kein eigener Artgenosse vorhanden ist.

Oder weil einem dann erzählt wird, dass man sich die Kastrationskosten von Rammlern und Böckchen sparen kann. In der Regel muß man auch den Rammler trotzdem kastrieren lassen, weil die Meisten alles anpinkeln bzw. der Urin sehr streng riecht. Und das Meerschweinchen ist dem Kaninchen körperlich unterlegen, so dass ein Rammler ein Meerschweinchen böse bedrängen und auch verletzen kann.

Oder weil einem weisgemacht wird, dass man dann einen kleineren Käfig kaufen kann, der für zwei Kaninchen zu klein wäre. Die konventionellen Käfige, die anscheinend für ein Kaninchen und ein Meerschweinchen so ideal sind, sind generell für ein einzelnes Tier schon viel zu klein.

Oder damit man die, teilweise recht ruppigen, Zusammenführungen der Artgenossen umgehen kann. Die Zusammenführung zweier Artgenossen, die damit vermieden wird, ist vielleicht bequem, aber nicht tiergerecht. Das ist dasselbe, als wenn man einem Menschen, der auf menschliche Gesellschaft angewiesen ist, mit einem Gorilla in ein Wohnklo sperrt und sagt „so jetzt unterhaltet euch mal gut und spielt schön bis an euer Lebensende miteinander“.

Oder weil man so meint, eine Einzelhaltung zu umgehen. Es bleibt trotzdem eine Einzelhaltung. Der Kontakt zu einem artfremden Tier kann niemals den Sozialkontakt zu einem eigenen Artgenossen ersetzen.

Oder weil es von diversen Haltern als „die“ Kombination propagiert und seit Jahren praktiziert wird. Nicht alles, was anscheinend jahrelang bei anderen Haltern funktioniert, muß auch wirklich gut sein!

Alleine schon die Unterschiede beider Tierarten zeigen, dass sie nicht zusammen passen:

- Kaninchen kuscheln gerne miteinander, lecken sich oft ab und schlafen oft aneinander gekuschelt. Meerschweinchen leben eher auf Distanz, lecken niemals ihre Artgenossen ab und schlafen einzeln.

- Kaninchen lieben erhöhte Orte, von wo aus sie eine gute Rundumsicht haben. Meerschweinchen suchen immer am liebsten schützende Ecken auf.

- Kaninchen graben gern und sind Höhlenbewohner. Meerschweinchen halten sich gern in Mulden oder am Eingang von Häuschen oder Höhlen auf.

- Kaninchen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Meerschweinchen sind teilweise tagaktiv und schlafen gern in geschützten Ecken.

- Kaninchen hüpfen und rennen gern. Meerschweinchen trippeln eher von Unterschlupf zu Unterschlupf. Auch wenn beides Fluchttiere sind, sind Kaninchen doch aggressiver und greifen auch mal an. Meerschweinchen flüchten sofort und versuchen sich zu verstecken.

- Im Gegensatz zu Kaninchen können Meerschweinchen kein eigenes Vitamin C bilden, sondern müssen es von außen zugeführt bekommen. Wenn Kaninchen zuviel Vitamin C bekommen (sie bilden es selbst), kann das zu schwerem Durchfall führen.

All diese Gründe zeigen, dass Kaninchen und Meerschweinchen einzeln gehalten nicht zueinander passen.

Wie schon erwähnt, sieht es oft so aus, als ob ein Kaninchen und ein Meerschweinchen eine nette Gemeinschaft bilden. Aber sie entsteht aus großer Einsamkeit, weil kein eigener Artgenosse da ist, weil sie auf engem Raum angewiesen sind, miteinander auszukommen.

Man kann Kaninchen und Meerschweinchen zusammen halten, aber nur, wenn es mehrere Kaninchen und mehrere Meerschweinchen sind. Einzelhaltung beider Tierarten ist weder art- noch tiergerecht!

All diese oben genannten Gründe kann ich aus teilweise eigener Erfahrung nur bestätigen. Ich habe aus Unwissenheit auch ein Kaninchen erst jahrelang alleine und dann mit einem Meerschweinchen zusammen gehalten. Beide waren ein Jahr lang anscheinend ein Herz und eine Seele, kuschelten viel und das Kaninchen leckte das Meerschweinchen auch oft ab. Das war auch kein Wunder, beide lebten in einem viel zu kleinen Käfig zusammen.
Nach einem Jahr fiel dem Kaninchen ein, dass er doch ein potenter, unkastrierter Rammler ist, und es bestieg dauernd das Meerschweinchen. Ich mußte beide trennen. Und so saß jeder in Einzelhaft.

Ich entschloss mich, das Meerschweinchen-Böckchen kastrieren zu lassen und noch ein weibliches Meerschweinchen zu holen. Gesagt, getan. Dann habe ich alle drei wieder zusammengesetzt. Da ist mir erst mal aufgefallen, dass die verschiedenen Tierarten sich überhaupt nichts zu sagen haben. Die beiden Meerschweinchen plapperten, glucksten, näselten miteinander (ich wußte gar nicht, dass Meerschweinchen so viele verschiedene Töne von sich geben können), und das Kaninchen saß da wie das fünfte Rad am Wagen. Also entschloss ich mich, auch den Rammler kastrieren zu lassen und ihm ebenfalls einen eigenen Artgenossen zu holen.

War das ein Unterschied zu vorher!! Kaum kam ich mit dem Weibchen daheim an, war er wie ausgewechselt. Er brummte, machte Freudensprünge, benahm sich, wie sich ein richtiges Kaninchen eben benimmt. Ich hatte und habe ein furchtbar schlechtes Gewissen, dass ich dem Rammler und dem Böckchen einen eigenen artgerechten Partner so lange vorenthalten habe.

Alle vier haben sich weiterhin toleriert, aber sie wollten nichts mehr voneinander wissen. Meine Kaninchen beschäftigen sich am liebsten untereinander und meine Meerschweinchen ebenso.

Ich werde auf jeden Fall nie wieder zwei einzelne, artfremde Tiere miteinander halten, sondern jedem meiner Tiere nur noch einen artgerechten Partner holen.

© Claudia J. Oktober 2001


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mittwoch 14. März 2007, 13:25 
Offline
Admin
Admin
Flotter Feger
Flotter Feger
Benutzeravatar

Stimmung: Fussballfieber
Registriert: Donnerstag 16. März 2006, 11:44
Beiträge: 12885
Wohnort: Balje
Alter: 43
PLZ: 21730
Land: Deutschland
Verhaltensbiologische Untersuchungen zur Gemeinschaftshaltung von Hausmeerschweinchen und Zwergkaninchen

Die Gemeinschaftshaltung von Hausmeerschweinchen und Zwergkaninchen ist in Privathaushalten und Zoogeschäften weit verbreitet. Handelt es sich hierbei um eine zu empfehlende oder eine zu vermeidende Haltungsform? Um diese Frage aus Sicht des Meerschweinchen zu beantworten, führten wir zwei Präferenztests (A und B) je sechsmal durch (HESSE und SACHSER) unveröffentlicht. In Test A wurde jeweils einem kleinen, etwa 30 Tage alten Meerschweinchen 12 Tage lang die Wahl zwischen einem Käfig gelassen, den es für sich allein hatte, und einem, den es mit einem großen, etwa 130 Tage alten weiblichen Artgenossen teilen musste. In Test B hatte das kleine Meerschweinchen unter den gleichen Bedingungen die Wahl, allein zu sein oder sich im selben Käfig wie ein Zwergkaninchen aufzuhalten. Die verwendete Wahlapparatur bestand aus zwei gleichartigen Einzelkäfigen (je 80 x 50 x 50 cm), die durch einen Tunnel miteinander verbunden waren. Jeder Einzelkäfig enthielt je eine Hütte sowie Futter und Wasser. Der 10 cm lange Verbindungstunnel war so bemessen, dass zwar das kleine Meerschweinchen von einem Einzelkäfig in den anderen wechseln konnte, nicht aber der größere Artgenosse bzw. das Zwergkaninchen. Mithilfe zweier im Tunnel installierter Lichtschranken konnte für das kleine Meerschweinchen die Wechselhäufigkeit zwischen den beiden Käfigen sowie die Aufenthaltsdauer in jedem der beiden Käfige elektronisch registriert werden. Die sechs kleinen und sechs großen Meerschweinchen stammten aus der institiutseigenen Zucht, die sechs Zwergkaninchen wurden in verschiedenen Tierhandlungen gekauft, in denen sie mit Meerschweinchen zusammen gelebt hatten. Die im selben Wahlversuch getesteten Tiere waren einander unbekannt. Zu Beginn der Wahlversuche wurde das kleine Meerschweinchen mit seinem Testpartner gemeinsam in eines der beiden Einzelgehege der Wahlapparatur eingesetzt.

Die Abbildung zeigt deutliche Unterschiede im Wahlverhalten der kleinen Meerschweinchen, je nachdem ob sie zusammen mit dem großen Meerschweinchen oder mit dem artfremden Tier getestet wurden: Mit dem Artgenossen wurden etwa 80%, mit dem Zwergkaninchen hingegen nur durchschnittlich 40% der Zeit im selben Käfig verbracht. Auffällig ist ferner die extrem unterschiedliche Variabilität der Einzelbefunde in den beiden Testreihen: Wurden die kleinen Meerschweinchen mit dem artfremden Tier getestet, so reichte die Spanne von 3% bis zu über 73% der im selben Gehege verbrachten Zeit. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei der Gemeinschaftshaltung zweier Meerschweinchen ein sehr viel homogeneres Bild: Die minimal mit dem großen Artgenossen gemeinsam verbrachte Zeit betrug 71%, die maximale Zeit 81%.

Aus Präferenztests allein sollten jedoch keine absoluten Schlüsse gezogen werden. Wir haben deshalb am 1. und 12. Tag der Versuche das Verhalten jeweils 24 h lang mit einem Videorecorder aufgezeichnet und später 45 Verhaltensweisen quantitativ analysiert. Die Meerschweichen, die zusammen mit den Zwergkaninchen gehalten wurden, zeigten im Vergleich zur Meerschweinchen/Meerschweinchen-Konstellation am 1. Versuchstag signifikant seltener "Beschnuppern" gegenüber dem Käfiggenossen (Mann-Whitney U-Test, zweiseitig; U=1, N1=N2=6; p<0.01) und flohen häufiger vor ihnen (U=5; p<0.05): Ferner wurde bei ihnen verstärkt eine meerschweinchentypische Schreckreaktion, das "Erstarren", registriert (U=1; p<0.01).

Wahlverhalten eines kleinen Meerschweinchens, das sich (a) entweder allein oder gemeinsam mit einem Zwergkaninchen (N=6) oder (b) mit einem Artgenossen (N=6) in einem Gehege aufhalten konnte. Jeder Versuch dauert 12 Tage. Dargestellt sind Mediane und Einzelwerte. Statistischer Test: Mann-Whitney U-Test, zweiseitig, N1=N2=6, U=4, p=<0.03).

Im Laufe des Versuchs relativierten sich diese Unterschiede zwar, aber auch am 12. Tag zeigten die kleinen Meerschweinchen immer noch signifikant weniger soziopositives Verhalten gegenüber dem Zwergkaninchen als gegenüber dem Artgenossen (U=5; p<0.05). Darüber hinaus zogen sich die kleinen Meerschweinchen, wenn sie mit den Zwergkaninchen gehalten wurden, zum Ruhen in der Regel allein in das nur für sie zugängige Abteil zurück, vermutlich, weil die beiden Arten eine unterschiedliche Tagesrhythmik aufweisen und so vor allem das Meerschweinchen immer wieder vom Zwergkaninchen beim Ruhen und Schlafen gestört wird. Letzlich wiesen Interaktionsanalysen auf ein nicht vollständiges übereinstimmendes Signalrepertoire der beiden Arten hin: Beispielsweise existiert beim Zwergkaninchen eine soziopositive Verhaltensweise, das "Ducken", bei dem sich das Kaninchen langsam auf das Gegenüber zubewegt und Oberkörper und Kopf senkt, die Ohren nach hinten anlegt, und seinen Kopf häufig unter die Brust oder den Kopf des anderen schiebt. Zwergkaninchen reagieren auf das Ducken eines Artgenossen oft mit sozialer Fellpflege, Nasenreiben oder Beschnuppern. Das kleine Meerschweinchen hingegen antwortet am 12. Tag fast immer mit einem aggressiven Schnauzenheben. Sehr wahrscheinlich sprechen hier Zwergkaninchen und Meerschweinchen unterschiedliche Sprachen: Das soziopositive Signal der zwergkaninchen wird vom meerschweinchen nicht verstanden und mit defensiv aggessivem Verhalten beantwortet.

Zusammengefasst lassen die Ergebnisse des Präferenztests, die unterschiedliche Tagesrhythmik sowie das nicht übereinstimmende Signalrepertoire von Meerschweinchen und Zwergkaninchen eine Gemeinschaftshaltung dieser beiden Arten als nicht empfehlendswert erscheinen. Darüber hinaus verdeutlicht die hohe soziele Appetenz der Meerschweinchen für Artgenossen im Wahlversuch, dass diese Tiere auf keinen Fall allein gehalten werden sollten (vgl. hierzu auch SACHSER 1994).

Dieser Abschnitt aus dem Präferenztest wurde uns freundlicherweise vom Verhaltensforscher Prof. Dr. Sachser zur Verfügung gestellt

_________________
Wenn das, was du sagen möchtest, nicht schöner ist als die Stille, dann schweige! (Konfuzius)

Schlümpfe an die Macht! Bild

Meine Patenkinder:
Anton und Spike von Wenke
Karlson und Tami von Pippilotta
Sammy von Amber und Agneta von Patte unvergessen Bild
Daniels von Kathleen


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  




Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de


Listinus Toplisten Listinus Toplisten

Deichschnuten

Kräuter-Kate

Hände weg! Kein Tier aussetzen!

Keine Joggingbälle für lebende Tiere!